Künstliche Intelligenz: Vom Einsatz im Sozialbereich für mehr Barrierefreiheit

capito zwischen den Stühlen: Vom Social Business zum Digital Social Business

Dass junge Start Ups digitale Tools und Services, erfinden ist ja nicht mehr ganz neu. Aber was verschlägt capito in den digitalen Bereich? Und was hat Künstliche Intelligenz im Sozialbereich verloren? Der Leiter der digitalen Entwicklung, Paul Mayer, kennt die Hintergründe.

 

Warum sucht das Sozialunternehmen capito sein Heil im Digital Business?

capito ist schon heil, sehr sogar! Wir haben schon jetzt eine wahnsinnig große Reichweite und eine gute Marktdurchdringung. Wir möchten aber wirklich allen die Möglichkeit bieten, Informationen in leichter Sprache zu erhalten, um selbständige Entscheidungen zu treffen. Dieses große Ziel erreichen wir nur mit Künstlicher Intelligenz – auch weil wir nur so die Produktionskosten von leicht verständlichen Informationen minimieren können. Natürlich sind auch die Kommunikationskanäle längst digital: Apps, Websites, Social Media ... Kurz: mit den Mitteln der Digitalisierung erreicht capito noch mehr Menschen. Deswegen macht es Sinn, capito in ein Digital Business zu transformieren.

Wie wird jetzt aus capito nun „capito digital“? Wie entwickelt man ein digitales und soziales Service-Angebot?

Diese Entwicklung hatte schon 2016 mit der Grundsatz-Entscheidung begonnen, den digitalen Weg einzuschlagen. Wir haben uns dann gefragt: Wie funktionieren digitale Dienstleistungen und Geschäftsmodelle? Und wie funktioniert das im sozialen Bereich? Es ging also darum, das „Digital Social Business“ zu erfinden – und genau das haben wir schließlich getan!

Im zweiten Schritt ging es um den Aufbau von Know-how. Über die letzten Jahre hinweg haben wir es „eingesammelt“ durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die viel Erfahrung in diesem digitalen Bereich haben – von hoch qualifizierten Computer-Linguisten und Software-Developern bis hin zu Menschen wie mir, die Erfahrung in der Entwicklung von digitalen Prozessen, Anwendungen und Services mitbringen. Wir haben übrigens festgestellt, dass wir uns bei der Suche nach IT-Expertinnen und –Experten leichter tun als andere Unternehmen, weil wir „Jobs mit Sinn“ bieten können. Talente suchen also durchaus gezielt nach Jobs in der Querschnittsmenge von “Digital Business” und “Social Business”.

Im dritten Schritt stand die Finanzierung im Fokus. Wir haben Investoren gesucht, die an uns glauben. Bei den sehr effektiven staatlichen High-Tech Förderprogrammen von FFG, SFG und AWS sind wir hochgradig erfolgreich.

Ist die Investorensuche für ein Social Business schwerer oder leichter als für rein gewinnorientiertes Unternehmen“?

Es ist wesentlich schwieriger - vor allem, weil die Organisationen, die Investments vermitteln, die Social Business Idee häufig noch nicht verstehen. Sie wissen nicht, dass das Digital Social Business größeres Potenzial hat, als die meisten konventionellen Geschäftsideen. Es passiert immer noch, dass manche Personen aus der Finanzbranche glauben, ein Social Business wäre weniger innovationsstark. Dabei ist gerade Kreativität und Impact-Orientierung das Werkzeug, das es für einen globalen Leitbetrieb braucht!

Und wie sieht es umgekehrt aus? Wie sind die Reaktionen von anderen Sozialorganisationen auf den Wandel von capito hin zu einem Digital Social Business?

Auch das ist manchmal schwierig. Die Angst vor der digitalen Welt gründet sich häufig auf Unwissenheit. Oft werden Risiken wahrgenommen, die gar nicht existieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die häufig geäußerte Befürchtung, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren gehen. Tatsächlich ist es aber umgekehrt: Wir schaffen mit unserer Digitalisierungs-Strategie mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen.

Wie genau macht ihr das?

Durch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz von capito können wir online automatisierte Services anbieten. Diese Services erleichtern das Verfassen von leicht verständlichen Texte enorm. Und doch sind diese, von Laien erstellten Texte, noch weit vom capito Qualitäts-Standard entfernt. Für die capito Perfektion braucht es in der Sprachübersetzung noch immer die capito Redakteurinnen und Redakteure. Und: es braucht die Prüfgruppen. Erst wenn ein Text den Zielgruppen-Check übersteht, erhält er das capito Zertifikat. So schaffen wir also einen skalierbaren (Vertriebs-)Kanal, der zu einer Steigerung der Anzahl unserer Vereinfachungs- und Prüfgruppen-Aufträge führen wird. Die Künstliche Intelligenz schafft also Arbeitsplätze und trägt in mehrfacher Hinsicht zur Barrierefreiheit bei.

Die Künstliche Intelligenz ist hier also „nur“ der Türöffner, erleichtert aber bereits deutlich die Erstellung von Informationen in leichter Sprache. Die letzte Sprach-Instanz und die Qualitäts-Kontrolle der Sprachübersetzung bleibt aber „in Menschenhand“?

Genauso ist es. Digitale Services, die behaupten, dass die Künstliche Intelligenz in diesem Bereich den Menschen ersetzen kann, sagen hier vielleicht nicht immer die ganze Wahrheit …

Du hast eben die Situation von capito als Social Digital Business beschrieben, angesiedelt irgendwo zwischen Start Up Szene auf der einen und traditionellen Sozialunternehmen auf der anderen Seite. Wie lebt es sich denn so „zwischen den Stühlen“?

Nicht still, jedenfalls! Wir sind in einer Situation, in der wir permanent erklären müssen. Wir versuchen dabei, eine vermittelnde Instanz zu sein. Immer wieder übernehmen wir hier sogar eine Vorreiterrolle für die Digitalisierung im Sozialbereich, bis hoch in die EU-Ebene hinein. Die Sozialwirtschaft ist ja von den Digitalisierungs-Agenden auf EU-, Bundes- und Landesebene sehr vernachlässigt worden – obwohl sie allein in Österreich mit mehr als 470 Unternehmen und etwa 73.500 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitssektoren ist! Das rächt sich jetzt, zum Beispiel in der Kommunikationskultur. Aber auch – und das sehen wir jetzt in der Corona-Krise sehr deutlich –ganz praktisch. Hier sind wir permanent damit beschäftigt, die Vorteile der Digitalisierung zu „übersetzen“. Wir erklären dabei in zwei Richtungen: auf der konventionellen und politischen Seite erläutern wir, wie groß der gesellschaftliche Nutzen von sozialen, digitalen Ideen ist. Und auf der anderen, der sozialen Seite veranschaulichen wir, wie digitale Tools die Arbeitsleistungen und ihre soziale Wirkung verbessern können.

Worin besteht für dich persönlich die Motivation in so einem Spannungsfeld?

Es ist die Herausforderung! Wir haben weniger Geld, dafür mehr Anspruch. Uns geht es um die Verbesserung von Lebensumständen, um mehr Barrierefreiheit... Es geht darum, vom Vertrieb über die Organisation, Verwaltung, Software-Entwicklung und Konzeption sehr viele Rollen gleichzeitig bewältigen. Und das ist einfach extrem spannend!

Wenn ich merke, dass unsere Leistungen wirklich wirken, dann motiviert mich das auch sehr. Heute habe ich zum Beispiel mit einem alten Schul-Kollegen aus dem Ennstal telefoniert, der nicht wusste, was ich beruflich mache. Und der erzählte mir ganz begeistert von den APA TopEasy News, an deren Entstehung wir ja stark beteiligt waren. Und ich dachte mir: Aha, er war doch sonst nicht so der Zeitungsleser, und jetzt informiert er sich auf einmal. Das finde ich einfach super!

Neugierig?

Erfahren Sie mehr über die Künstliche Intelligenz von capito digital! In den nächsten Wochen erwarten Sie viele spannende Einblicke. Seien Sie dabei!

Es freut sich,

Paul Anton Mayer und das capito Team 

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