Geburtstag für das Barrierefreiheitsgesetz: Was hat es gebracht?

Illustration zum Barrierefreiheitsgesetz: Ein Online-Shop mit typischen Barrieren wie unverständlicher Sprache, komplizierten Formularen und einer fehlgeschlagenen Kaufabwicklung.

Am 28. Juni 2026 wird das EU‑weite Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) ein Jahr alt. Ein guter Anlass, innezuhalten und zu fragen: Was hat sich tatsächlich verändert? Und vor allem – sind wir dem Ziel einer barrierefreien Gesellschaft nähergekommen?

Inhalt

Ein Gesetz mit klarer Botschaft an Unternehmen

Wer Produkte und Dienstleistungen anbietet, die unter das Barrierefreiheitsgesetz fallen, muss diese barrierefrei gestalten.

Dazu zählen unter anderem:

  • Online‑Shops (z. B. Fanartikel oder Lieferdienste)
  • Websites von Banken, Versicherungen und Verkehrsunternehmen
  • Digitale Dienstleistungen, die für den Alltag essenziell sind

Die Anforderungen sind definiert: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar und verständlich sein. Das Ziel: Alle Menschen – auch mit Behinderungen – sollen sich informieren und Angebote selbstständig nutzen können.

Die Realität ist ernüchternd: Barrieren bleiben Alltag

Das zeigt ein Praxis-Test der Lebenshilfe Österreich gemeinsam mit der WU Wien. 

Die Selbstvertretungsorganisation für Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe Österreich hat einige Websites getestet. Ziel des Tests war es, zumindest eines der dort angebotenen Produkte oder Dienstleistungen zu kaufen. Das Ergebnis war ernüchternd:

Keine der getesteten Websites war barrierefrei. Kein einziger Kaufprozess konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Die festgestellten Probleme sind vielfältig:

  • Unverständliche Fachbegriffe und Abkürzungen
  • Komplexe, schwer lesbare, aber dennoch rechtswirksame Texte
  • Anglizismen ohne Erklärung
  • Komplizierte Registrierungen und schwer entzifferbare Warenkörbe
Illustration typischer Barrieren in Online-Shops nach dem Barrierefreiheitsgesetz (BaFG): Fachbegriffe, Anglizismen, komplizierte Formulare und unübersichtliche Warenkörbe.

Viele dieser Barrieren wirken auf den ersten Blick unscheinbar. In der Praxis können sie jedoch dazu führen, dass Menschen einen Kauf abbrechen oder digitale Angebote nicht selbstständig nutzen können. Was für manche Nutzerinnen und Nutzer lediglich umständlich erscheint, kann für andere eine unüberwindbare Hürde darstellen.

Besonders deutlich wird dabei: Barrierefreiheit bedeutet weit mehr als die technische Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Verständliche Sprache, klare Strukturen und einfache Prozesse sind ebenso wichtig, damit digitale Angebote für möglichst viele Menschen zugänglich sind.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann deshalb, weil solche Barrieren nicht nur Menschen mit Behinderungen betreffen. Auch ältere Menschen, Personen mit geringen digitalen Kenntnissen oder Menschen, die unter Zeitdruck stehen, profitieren von verständlichen und einfach nutzbaren Angeboten.

Das Barrierefreiheitsgesetz sieht deshalb vor, dass alle Menschen, die solche Barrieren wahrnehmen, der zuständigen Behörde einen sogenannten Hinweis geben können. So können bestehende Hindernisse sichtbar gemacht und schrittweise abgebaut werden.

Jeder Mensch kann auf Barrieren hinweisen

Hinweise zu geben bedeutet nicht, „zu meckern“.

Es bedeutet:

  • aufmerksam machen
  • Verbesserungen anstoßen
  • Verantwortung übernehmen

Dafür braucht es Sensibilität, Verantwortungsgefühl und ein bisschen Aktivität. Denn Barrierefreiheit ist ein Ziel, dem wir nur alle gemeinsam näher kommen können.

Wir von capito danken allen, die im ersten Jahr des neuen Barrierefreiheitsgesetzes ihren Teil für den Abbau von Barrieren beigetragen haben und hoffen, dass wir immer mehr werden. Für uns, für alle, für Menschen mit Behinderungen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass digitale Angebote künftig nicht nur den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, sondern für alle Menschen einfach und selbstständig nutzbar sind.

Fazit

Das Barrierefreiheitsgesetz war ein wichtiger Schritt. Jetzt geht es darum, Barrierefreiheit im Alltag konsequent umzusetzen. Das gelingt nur gemeinsam – mit Unternehmen, Organisationen und Menschen, die Barrieren sichtbar machen und Veränderungen anstoßen.

Der Praxistest zeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Gleichzeitig macht er deutlich, dass viele Barrieren vermeidbar sind. Verständliche Sprache, klare Strukturen und gut nutzbare digitale Angebote sind keine zusätzlichen Extras, sondern wichtige Voraussetzungen für gleichberechtigte Teilhabe.

Jede barrierefreie Website, jeder verständlich geschriebene Text und jeder vereinfachte Prozess bringt uns dem Ziel einer inklusiven digitalen Welt ein Stück näher. Jeder Schritt zählt – denn Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern macht digitale Angebote für uns alle einfacher und zugänglicher.

Machen Sie Ihre digitalen Angebote für alle zugänglich.

Wir unterstützen Sie dabei, Websites, Dokumente und digitale Inhalte verständlich und barrierefrei zu gestalten.

Geburtstag für das Barrierefreiheitsgesetz: Was hat es gebracht?

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